Historisches Wandgemälde der Buschmühle in Ohorn

Geschichte · Chronik

Chronik der Landpension Buschmühle

01

Einleitung

Die heutige Landpension Buschmühle in Ohorn blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Der Ort war über viele Generationen hinweg Mühle, später Gastwirtschaft, Ausflugsziel, Landgasthof mit Pension und ist bis heute eng mit der Geschichte Ohorner und der Umgebung verbunden. In älteren Quellen wird die Buschmühle als Obermühle bezeichnet. Je nach Quelle reicht ihre Geschichte entweder bis 1609 oder allgemein bis vor 1700 zurück.

02

Die Anfänge als Obermühle

Nach den statistischen Tabellen des Ritterguts Ohorn soll die Obermühle bereits 1609 erbaut worden sein. Eine andere historische Darstellung spricht davon, dass die Obermühle schon vor 1700 bestand. Die spätere Niedermühle wurde demnach erst 1750 errichtet. Die Obermühle verfügte über einen Mahlmühlenraum und eine Schneidemühle. Zum Anwesen gehörten außerdem ein Bauernhof und eine Holzschneidemühle. Die Mühlwerke und das Sägegatter wurden damals mit Wasserkraft betrieben.

Nahe der Obermühle befand sich außerdem das alte Jägerhaus, das die Ohorner Rittergutsherrschaft 1704 als Amtswohnung ihres Försters, damals „Revierjäger“ genannt, errichten ließ. Dieses Haus war zugleich herrschaftliche Schänke. Später ging die Schankkonzession auf die Obermühle über.

Historische Postkarte der Buschmühle
03

Die Zeit der Erbmüller

Die Inhaber der Obermühle trugen den Namen Erbmüller. Der erste bekannte Erbmüller war Johann Christoph Birnstein. Im Jahr 1735 erhielt er das Recht, Bier auszuschenken und Branntwein zu brennen beziehungsweise auszuschenken. Darüber hinaus übte der Obermüller im Namen der Herrschaft den sogenannten Mahlzwang über Bauern, Gärtner und Althäusler aus. Über mehr als zwei Jahrhunderte wurde in der Obermühle Getreide gemahlen.

Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen ergibt sich folgende Reihe der Obermüller:

  • 1735 bis 1765: Johann Christoph Birnstein
  • 1765 bis 1786: Johann Christian Klinger
  • 1786 bis 1810: Johann Gottfried Urban jun.
  • 1810 bis 1838: Johanna Sophie, verwitwete Urban
  • 1838 bis 1855: handschriftlich schwer lesbar, wahrscheinlich Fortführung innerhalb derselben Linie
  • 1855 bis 1857: Karl Christian Steglich aus Oberputzkau
  • 1857 bis 1906: Friedrich August Fischer aus Naundorf bei Gaußig
  • ab 1906: Alfred Max Fischer aus Wachau, Enkel von Friedrich August Fischer
04

Brände und Wiederaufbau

Die Obermühle wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrfach von Bränden getroffen. Ein erster Brand ist für das Jahr 1784 belegt. Ein weiterer schwerer Brand ereignete sich am 23.05.1834, als die Mühle durch Blitzschlag abbrannte. Trotzdem blieb der Standort erhalten und wurde weitergeführt.

05

Von der Mühle zur Gaststätte

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Nutzung der Obermühle zunehmend. Alfred Max Fischer richtete nach den vorliegenden Quellen ab 1906 die zur Obermühle gehörige Gastwirtschaft ein, aus der die heutige Buschmühle hervorging. Durch ihre herrliche Lage am Wald und am Wasser entwickelte sich die Buschmühle zu einem beliebten Ausflugslokal. In den späteren Beschreibungen wird sie ausdrücklich als beliebter Sommerausflugsort erwähnt.

Eine maschinenschriftliche Chronik beschreibt, dass die Buschmühle als Gasthaus mit Gondelteich bekannt war und ein beliebtes Ziel für Faschingsfeiern, Schlachtfeste, Weinfeste und Silvesterbälle wurde. Musikalisch begleitet wurden solche Veranstaltungen unter anderem von der Hauskapelle Wendt, von „Geigen Haufe“ und vom Schlagzeuger Haase.

Historische Ansicht der Buschmühle
06

Das Buschmühlenbad im Obermühlenteich

Ein eng mit der Buschmühle verbundener Teil ihrer Geschichte ist das Buschmühlenbad im Obermühlenteich. Der Teich wird in den Quellen mit rund 60.000 Quadratmetern angegeben. 1921 wurde dort mit Genehmigung der Ohorner Rittergutsherrschaft ein Schulschwimmbad eingerichtet, um den Schulkindern Ohor[n]s das Baden und Schwimmenlernen zu ermöglichen.

Bereits 1924 wurden mit der Gemeinde Hauswalde Verhandlungen zur Gründung eines Zweckverbandes für gemeinsame Benutzung, Unterhaltung und Verwaltung geführt, die zunächst ergebnislos blieben. 1927 kam dieser Zweckverband schließlich zustande, sodass das Bad nun auch von der Hauswalder Schuljugend genutzt werden konnte.

Im Jahr 1934 wurde das Bad großzügig ausgebaut. Genannt werden eine sportgerechte 50 Meter Kampfbahn, ein Sprungturm, eine Wasserrutschbahn, eine Brauseanlage und weitere Sportanlagen. Nach dem Ausbau erfreute sich das Buschmühlenbad eines immer stärkeren Besuchs. In den Quellen wird dies nicht nur mit der landschaftlich reizvollen Lage und der Gaststätte der Obermühle begründet, sondern auch damit, dass der Obermühlenteich von der Röder durchflossen wird und sich sein Wasser dadurch ständig erneuert.

Eine geplante Einweihung des ausgebauten Bades am 5. August 1934 fand wegen des Todes von Reichspräsident Paul von Hindenburg am 2. August 1934 nicht statt. Ein neuer Termin wurde nicht festgelegt. 1952 ging das Bad nach heftigen Debatten in Eigentum beziehungsweise Verwaltung der Gemeinde Bretnig über, da es auf Hauswalder Flur lag. Eine spätere Beschreibung nennt das Buschmühlenbad ein beliebtes Naturbad mit 1 Meter und 3 Meter Sprungturm, großer Liegewiese, Spielplatz, Wippe, Tischtennisplatte und Imbiss.

07

Familie Gräfe und die spätere Schließung

Nach einer der Chroniken bewirtschaftete ab 1938 die Familie Gräfe das Gasthaus Buschmühle. Gleichzeitig wird in einer anderen Quelle erwähnt, dass letzter Besitzer Alwin Gräfe gewesen sei. Die Buschmühle blieb über viele Jahre ein bekannter gastronomischer Ort in der Region.

Zur Schließung der Buschmühle gibt es in den überlieferten Texten unterschiedliche Jahresangaben. Eine Chronik berichtet, dass der damalige Bürgermeister 1965 die Gaststätte mit Gondelteich schließen ließ. Eine andere Quelle nennt eine Schließzeit von 1962 bis April 1993. Für eine öffentliche Kurzchronik sollte dieser Widerspruch offen benannt oder die Formulierung bewusst allgemeiner gehalten werden. Sicher ist, dass die Buschmühle über Jahrzehnte geschlossen war und in dieser Zeit historische Mühleneinrichtungen verloren gingen.

Historische Postkarte aus der Chronik der Buschmühle
08

Pläne zum Naherholungszentrum und Neuanfang

Ab 1985 entstand unter dem Rat der Gemeinde Ohorn und der Leitung des VEB Getriebe Ohorn die Idee, durch Umbau der stillgelegten Buschmühle ein Naherholungszentrum zu schaffen. Als besonders engagiert werden der damalige Bürgermeister Werner Barty und der Leiter des VEB Getriebe Karl Heinz Seifert genannt. Die Rekonstruktion war bereits in vollem Gange, als die politische Wende eintrat.

09

Familie Kopte und Wiedereröffnung

Ein neuer Abschnitt begann in den 1990er Jahren. Nach einer Quelle übernahm Familie Kopte im Mai 1993 das Buschmühlen Anwesen. Eine andere Chronik hebt hervor, dass die Buschmühle zur Himmelfahrt 1995 nach umfassendem Umbau als Landgasthof mit Pension wiedereröffnet wurde. Beides lässt sich gut zusammenführen: Übernahme in 1993, Sanierung und Wiedereröffnung in 1995.

Die Beschreibungen aus dieser Zeit betonen, dass gemütliche Gasträume für Familienfeiern zur Verfügung standen, gutbürgerliche sächsische Küche angeboten wurde und auch der Biergarten sowie der Gondelbetrieb wieder aufgenommen wurden. Zudem entstand eine kleine Pension mit moderner Ausstattung. Die Buschmühle wurde damit erneut zu einem attraktiven Ausflugsziel in reizvoller Umgebung.

10

Übergabe an Patrick Mensch

Zum 01.03.2009 wurde der Landgasthof und die Pension „Zur Buschmühle“ von Familie Kopte an den Nachfolger Patrick Mensch übergeben. Dies ist in einem gesonderten Schreiben ausdrücklich festgehalten. In dieser Beschreibung wird die Buschmühle als Landgasthof mit Pension am kleinen Badesee, mit Biergarten und Gondelbetrieb vorgestellt. Die Gaststätte sollte sowohl als Restaurant als auch als Veranstaltungsort für private und geschäftliche Feiern genutzt werden. Das Getränkeangebot setzte auf regionale Biere und Weine sowie ausgesuchte alkoholfreie Getränke. Bei den Speisen wurden vor allem sächsische Gerichte und Wildspezialitäten genannt. Die Pension richtete sich vor allem an Wanderer und Urlauber der Region. Genannt werden in diesem Zusammenhang acht Gästezimmer.

Nach euren ergänzenden Angaben betrieb Patrick Mensch die Gaststätte bis 2022 und die Pension bis 2025. Diese Informationen stammen aus dem aktuelleren Textmaterial für die Neuausrichtung der Buschmühle.

Historische Ansichtskarte der Buschmühle
11

Verkauf, Modernisierung und neue Ausrichtung

Im Jahr 2025 wurde das gesamte Objekt an die Jörg Herberger & Martin Heine Grundbesitz eGbR verkauft. Über den Winter 2025 / 2026 erfolgte eine umfassende Modernisierung der Pension. Dazu gehörten neue Bäder und Duschen sowie die Einrichtung einer Ferienwohnung. Gleichzeitig wurde die Küche der Gaststätte vollständig mit neuen Geräten ausgestattet.

Seit dem 01.06.2026 ist die Gaststätte mit Außenbereich neu verpachtet und soll erneut zu einem attraktiven Treffpunkt für Gäste, Wanderer und Ausflügler werden. Die Buschmühle profitiert dabei weiterhin von ihrer Lage in unmittelbarer Nähe zum Buschmühlenbad, zur Natur, zu Rad und Wanderwegen sowie zur guten Erreichbarkeit von Zielen wie Dresden, Bautzen, Schloss Rammenau und der Sächsischen Schweiz.

Für das Jahr 2027 sind weitere Entwicklungen geplant. Vorgesehen sind 8 Caravan Stellplätze sowie 2 Ladestationen für Elektrofahrzeuge, um die Buschmühle auch für moderne Reisende und Urlauber noch attraktiver zu machen.

Modernisierte Landpension Buschmühle nach dem Umbau